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Räume im Graf von Faber-Castell´schen Schloss

 

Das Treppenhaus

 

Während die Fassade des Schlosses Elemente romanischer und gotischer Architektur miteinander verbindet, um damit die symbolträchtige Ausstrahlung eines mittelalterlich-feudalen „Castells“ zu besitzen, empfängt den Besucher ein heller Treppenaufgang von ausgesuchter Eleganz. Farbenfrohe Mosaiken, feinster Marmor und eine schwungvolle Komposition aus Kapitellen und Rundbögen leiten den Blick nach oben zur kunstvollen Deckengestaltung. Mühelos integriert in dieses exklusive Ambiente wurden die technischen Errungenschaften der Zeit: elektrische Beleuchtung und zentrale Dampfheizung.

Die kontrastreiche Kombination aus gründerzeitlichem Historismus und hochmodernem Jugendstil kennzeichnet das Interieur dieses außergewöhnlichen Domizils und spiegelt das Lebensgefühl einer Epoche.

 
 

 

 
 

Das Musikzimmer

 

Zwischen der Damen- und der Herrenbibliothek liegt das Musikzimmer, dem die Ausstattung mit hellem Ahornholz heitere Eleganz verleiht. Schlicht und edel wirken die eingelegten tropfenförmigen Motive aus Perlmutt, Metall, Mahagoni und Wurzelholz. Die integrierten Ecksofas entsprechen ebenso wie die zur Vertäfelung passenden Notenschränkchen und Konsolen ganz dem Stil der Zeit.

Terrassentüren und Fenster gestatten durch facettierte Glasscheiben einen reizvollen Blick auf den Park und die Villa, die 1886 von einem Berliner Architekten für Wilhelm von Faber und seine Familie erbaut wurde.

 
 

 

 
 

Die Herrenbibliothek

 

Die Bibliothek Graf Alexanders ist spiegelbildlich zur Damenbibliothek angelegt und verbindet das Musikzimmer mit dem sog. Kirschbaumzimmer. Die Ausstattung mit hell gebeiztem Eichenholz und der zweigeschossige Aufbau entsprechen weitgehend der Bibliothek des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, die wenige Jahre zuvor gebaut wurde.

Die originalen Buchbestände sind zwar nur noch fragmentarisch erhalten, lassen jedoch die Interessen des Hausherren erkennen: Sport, Automobile, Jagd, Militär, Recht und Technik. Die avantgardistische Zeitschrift „Jugend“ stand Pate für die Bezeichnung „Jugendstil“.

 
 

 

 
 

Das Kirschbaumzimmer

 

Das sogenannte Kirschbaumzimmer diente als Rauch- und Spielzimmer. Einen Hinweis auf gesellige Runden geben die mit Spielkartenmotiven verzierten Messingleuchter. Abgesehen von dem großen Kachelofen besteht die Einrichtung aus zierlichem, geradlinigem Mobiliar, wobei die Stühle noch mit dem originalen resedagrünen Stoff bespannt sind. An der Südwand verbergen sich hinter den Wandpaneelen ein Geheimschrank und ein Safe.

 
 

 

 
 

Das Arbeitszimmer

 

Mit der Gestaltung dieses in seinem ursprünglichen Zustand erhaltenen Herrenzimmers gewann der junge Designer Bruno Paul auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 den begehrten Grand Prix. Vertäfelungen in Ahorn und Eiche mit effektvollen Einlegearbeiten und eingebautes Mobiliar verleihen dem Raum seine besondere, damals hochaktuelle Note. Der dekorative Kamin ist ebenso wie die oft kopierte Sitzgruppe bewusst nicht wie bislang bevorzugt symmetrisch in den Raum gestellt, sondern in eine Raumecke integriert. Klare Linien und geometrische Formen stehen in Kontrast zu der bis dahin sehr beliebten üppigen Innenarchitektur, grenzen sich aber auch deutlich ab von dem floralen Stil des Art Déco.

 Das Zimmer wurde für das Regierungsgebäude in Bayreuth entworfen und ist dort noch erhalten. Es gefiel dem gräflichen Paar so gut, dss es eine fast identische  Ausführung in Auftrag gab. Von hier aus führte Graf Alexander seine Geschäfte, während sein Sohn Roland seinen Arbeitsplatz wieder in das Verwaltungsgebäude verlegte.

 
 

 

 
 

Der Empfangssalon

 

Dieser Raum, der wie das angrenzende Herrenzimmer und das Zimmer der Dame („Zitronenzimmer“)  im 1. Obergeschoss von dem berühmten Designer Bruno Paul entworfen wurde, zählt zu den Kostbarkeiten des Schlosses. In dem von schlichter Eleganz geprägten Empfangsraum wurden die Gäste des Hauses willkommen geheißen. Eine raumhohe, von kleinen Vitrinenschränken flankierte Spiegelwand reflektiert das angrenzende Speisezimmer und erweitert den Raum optisch um ein Beträchtliches. Einlegearbeiten in Perlmutt und Mahagoni kontrastieren effektvoll mit der dunklen Eichenvertäfelung. Kamin und Heizkörperverkleidungen sind kunstfertig ausgeführt und in die Raumgestaltung mit einbezogen. Geschwungene Rautenmuster aus harmonisch aufeinander abgestimmten farbigen Mosaiksteinen fügen sich zu einer der schönsten Deckendekorationen im Schloss.

 
 

 

 
 

Die Romanische Halle

 

Eine repräsentative, in dunkel gebeiztem Eichenholz getäfelte Halle verbindet die privaten Räume der gräflichen Familie untereinander. Dem frühmittelalterlichen romanischen Stil entlehnt sind goldunterlegte Ornamente und stattliches Mobiliar wie Lehnstühle, löwengeschmückte Truhenbänke und Stollenschränke. Über das beeindruckende  Ensemble spannt sich eine rot abgesetzte Kassettendecke, von der fünf Messinglüster herabhängen und für effektvolle Beleuchtung sorgen.

 
 

 

 
 

Das Kinderzimmer

 

Die Liebe, die Graf und Gräfin von Faber-Castell für ihre Kinder empfanden, wird auch in der Ausgestaltung ihrer Zimmer im ersten Obergeschoss sichtbar. Neueste Empfehlungen architektonischer Ratgeber für kindgerechtes Wohnen wurden im Schloss umgesetzt. Abgerundete Ecken bei dem eigens entworfenen weiß lackierten Kindermobiliar und Gitter vor den Fenstern schützen vor Verletzungen, farbenfrohe Malereien zeigen auf den oberen Wandabschnitten des Spielzimmers die vier Jahreszeiten. Der ganze Stolz der kleinen Mädchen war ein begehbares Spielhaus im bayerischen Landhausstil. 

 
 

 

 
 

Das Monatszimmer

 

Der Empfangssalon von Gräfin Ottilie besticht durch seine originelle Kassettendecke, auf der in prachtvoll vergoldeter Schablonenmalerei die zwölf Tierkreiszeichen abgebildet sind. Die originale Einrichtung bestand aus eleganten kleinen Sitzmöbeln und einer raumhohen Spiegelwand. Hier empfing Gräfin Ottilie ihre Gäste, die sie dann entweder in ihren offiziellen großen Salon oder in ihr privates "Zimmer der Dame" führte.

 
 

 

 
 

Der Louis Seize Salon

 

Der repräsentative Salon Gräfin Ottilies ist ganz im Stile des französischen Klassizismus eingerichtet und setzt sich ab von der modernen Innenarchitektur der beiden anderen Damenzimmer. Wände und Decke sind leicht pastellfarben getönt und mit goldenen Stuckornamenten verziert. Reliefs über den Türen und an den Wänden bilden allegorische Themen ab wie „Theater“, „Schönheit“, „Krieg und Frieden“; auf Wandmedaillons tummeln sich spielende Putti, an der Decke zeigen Medaillons Personifikationen der vier Jahreszeiten - den Winter als zeitgenössische junge Dame auf Schlittschuhen.

 
 

 

 
 

Das Zitronenzimmer

 

Das private Reich Gräfin Ottilies ist der dritte von Bruno Paul entworfene Raum im Schloss Stein. Hierher zog sich die Gräfin zurück, um auszuruhen, zu lesen und ihre Korrespondenz zu erledigen,

Im Gegensatz zu der eher in dunklen Tönen gehalten Raumkonzeption des Herrenzimmers hat der Architekt für die Dame warmes ostindisches Satinholz gewählt, das mit feinen Intarsienarbeiten kunstvoll verziert ist. Die Raumecken sind mit beleuchteten Spiegeln abgeschrägt, durch die Fenster und einen kleinen Erker dringt das Tageslicht und erlaubt den Blick ins Grüne. Zierliche Schreib- und Sitzmöbel geben dem Raum seine ausgesprochen feine und feminine Note.

 
 

 

 
 

Das Damenbad

 

Zu den architektonischen Höhepunkten im Schloss gehören unzweifelhaft die beiden Badezimmer, die glücklicherweise noch im Originalzustand erhalten sind.

Während das Herrenbad in grau-silbernen Farben gehalten ist, bevorzugte man für die Dame warme Töne in Türkis und Goldbraun. Den zentralen Platz an der Südwand nimmt das komfortable Marmorbad ein. Eine Dusche hingegen fehlt, denn sie war damals für Damen nicht üblich. Der elegante Waschtisch aus Marmor ist speziell zum Haarewaschen mit einer schwenkbaren Kopfbrause ausgerüstet.

Ursprünglich waren Wasch- und Badebereich mit einem Samtvorhang voneinander abgetrennt. Wie alte Postkarten zeigen, hatte man die Badezimmer nach dem Geschmack der Gründerzeit mit Polstersesseln, Teppichen und Kleinmöbeln ausgestattet und ihnen dadurch gerade jenen modernen Charakter genommen, der heute so bewundert wird. 

 
 

 

 
 

Das Herrenbad

 

Das Bad für den Herren ist mit den modernsten Errungenschaften der Technik ausgestattet und verbindet repräsentative Eleganz mit zeitgemäßer Funktionalität: die außergewöhnliche Duschvorrichtung mit Seitenstrahldüsen, die in den Boden eingelassene Marmorbadewanne und die beheizbaren Handtuchhalter sind Blickfang und modernste Sanitärtechnik zugleich. Dekorative Stuckverzierungen und Mosaiken mit Motiven aus der griechischen Mythologie vervollständigen das luxuriöse Ambiente aristokratischer Badekultur um die Jahrhundertwende.

 
 

 

 
 

Der Ballssal

 

Krönung des Ballsaals ist der Stuckplafond, der mit seinen dynamisch verschlungenen Elementen den Rhythmus und die Bewegung des Tanzes und der Musik aufnimmt. Blüten- und Blattornamente, Perlstäbe, Schuppenfelder und abstrakte Formen mit Auflagen aus Gold, Silber und Platinstaub unterstreichen die energischen Bewegungen. Fünf Lüster aus geschliffenem Kristall mit Kelchblüten und Perlenbehang schmücken zusätzlich den Saal. Ecknischen, sogenannten "Poussiernischen", und die Wandpaneele des Ballsaals sind aus Nussbaum mit großzügigen Einlagearbeiten aus Nusswurzelholz, Mooreiche, gebeizter Eiche und Perlmutt. 

 

 

 
 

 

 
 

Der Gobelinsaal

 

Eine farbenprächtige Decke wölbt sich über dem großen Empfangsaal, in dem sich die Gäste zu Gesprächen in geselliger Runde trafen. Der besondere Reiz dieses Raumes besteht in der Verkleidung der Wände mit kostbaren Tapisserien. Das mit satten Farben ornamentierte Deckengewölbe des Saales lebt von dem Kontrast zu den weiß getäfelten Wänden mit den vergoldeten Schnitzereien. Über der Tür an der Nordseite prangt eine Kopie des berühmten Gemäldes von Tizian "Die Himmlische und Irdische Liebe".

 
 

 

 
 

Der Speisesaal

 

Einen wiederum gänzlich anderen Charakter besitzt der Speisesaal. Hier können sechzig Personen in außergewöhnlichem Ambiente tafeln. Der in dunklem Eichenholz verkleidete Raum erhält seine charakteristische Wirkung von den umlaufenden Wandmalereien des deutsch-amerikanischen Künstlers Carl von Marr (1858-1936), die in ihrer Zartheit und leuchtender Farbgebung einen wunderschönen Kontrast zu den Wandpaneelen bilden. Der Zyklus auf der Nordwand zeigt den Lebensweg in symbolischer Verdichtung: Kindheit, Jugend und Alter. Über dem Torbogen, der den Speisesaal vom Servierraum trennt, schwebt das Familienwappen.

In unmittelbarer Nähe zum Servierraum ist ein Speiseaufzug eingebaut, mit dessen Hilfe die Mahlzeiten auf schnellstem Wege von der Küche im Souterrain in die zweite Etage gelangen und von den Serviermädchen in der gebotenen Temperatur kredenzt werden konnten. Nichts wurde dem Zufall überlassen.

 
 

virtueller Rundgang durch den Speisesaal

 
 
© 1761-2012 Faber-Castell | Aktualisiert: 01.04.2011